Highlights des Monats

Auf dieser Seite präsentieren wir Ihnen jedes Monat ein neues Objekt aus der NÖ Landesbibliothek.

Robert Hamerling und Peter Rosegger, eine Freundschaft in Briefen

Cover des Buches
© Gabriele Reimann

Ein bekannter Dichter niederösterreichischer  Abstammung erfährt gerade eine besondere Würdigung: Robert Hamerling, eigentlich Rupert Johann Hammerling, geboren am 24. März 1830 in Kirchberg am Walde, verstorben am 13. Juli 1889 in Graz. Als Band 43 der Veröffentlichungen der Steiermärkischen Landesbibliothek und zugleich als erster Band einer von Gabriele Reimann herausgegebenen Kommentierten Gesamtausgabe Robert Hamerlings ist soeben Robert Hamerling und Peter Rosegger – eine Freundschaft in Briefen erschienen. Grundlage der Edition ist der Umstand, dass die Steiermärkische Landesbibliothek über die Nachlässe  beider Autoren, also von Robert Hamerling und Peter Rosegger, verfügt, wie Direktorin Katharina Kocher-Lichem in ihrem Vorwort ausführt.

 

Wenn auch das dichterische Schaffen von Robert Hamerling in Graz stattgefunden hat, wird die Erinnerung an den Dichter vor allem in seinem Geburtsort Kirchberg am Walde hochgehalten: Im „Gedächtnis des Landes“ beginnt die Ortsgeschichte von Kirchberg am Walde mit „Der Markt Kirchberg am Walde, Geburtsort des Dichters Robert Hamerling“; die Gemeinde Kirchberg am Walde präsentiert daher auch auf ihrer Homepage unter anderem  Hamerling und das Hamerlinghaus.

Brockhaus online -
für alle Leser(innen) niederösterreichischer Bibliotheken

"Es steht noch nicht im Meyer
Und auch im Brockhaus nicht.
Es trat aus meiner Leyer
zum ersten Mal ans Licht."

reimte Christian Morgenstern über das Nasobēm.

Buchrücken mehrer alter Brockhaus-Ausgaben
© NÖLB

Wie soeben gezeigt, kennt Wikipedia das „Nasobēm“, der „Brockhaus“ (heutzutage)allerdings ebenso. Was das soll? „Brockhaus“ steht hier als Synonym für „gesichertes wissen“, ganz nach dem Grundsatz “Quod non est in actis, non est in mundo“. Heute steht doch sowieso alles in Wikipedia? Das mag schon stimmen, dennoch hat ein  Eintrag im Brockhaus auch heute noch mehr Gewicht und macht ein Zitat glaubwürdiger. Auch wenn es in der Natur der Sache liegt, dass Bibliotheken den „Brockhaus“ und nicht Wikipedia sammeln, ist es bezeichnend, nach welcher Prioritätenliste sich Bibliothekare und Bibliothekarinnen bei der Wahl einer bevorzugten Benennung oder eines bevorzugten Namens entscheiden: Das letzte Wort hat die neueste „Brockhaus“-Ausgabe, die letzte Geige nach allen genannten „fachlichen Nachschlagewerken“ spielt hingegen Wikipedia, deren Bedeutung deswegen aber nicht gemindert werden soll. Die Online-Ausgabe des „Brockhaus" wird natürlich laufend aktualisiert und ist nicht nur eine Wiedergabe der letzten Druckausgabe (21. Auflage 2005/2006), wie beispielweise der Eintrag „Donald John Trump“ beweist.

In dieses Licht gerückt, freut es uns mitzuteilen, dass die Niederösterreichische Landesbibliothek ab 1.1.2019 all ihren Leserinnen und Lesern und auch allen Leserinnen und Lesern der niederösterreichischen öffentlichen Bibliotheken einen gebührenfreien Online-Zugang zur Brockhaus-Enzyklopädie und zum Jugendlexikon der NE Österreich GmbH - Brockhaus via Treffpunkt Bibliothek zur Verfügung stellt.

Was man dafür tun muss? Sofern man das noch nicht getan hat: in der Niederösterreichischen Landesbibliothek oder in der örtlichen Bibliothek, in der man einen Leserausweis besitzt oder auch gerade löst, um Registrierung für noe-book ersuchen. Über diese Plattform können e-Books, e-Audios, e-Videos und neuerdings auch e-Magazine entlehnt werden, zu denen seit kurzem auch die Niederösterreichische Landesbibliothek aktiv beiträgt. Mit der gleichen Benutzernummer und dem gleichen Passwort erfolgt auch die Anmeldung zum „Brockhaus“ online.

Neugierig geworden? Einfach anrufen und noe-book-Registrierung beantragen.

Eintrag im Onlinekatalog der Landesbibliothek für "Personen der Weltgeschichte für Dummies"
Eintrag im Onlinekatalog der Landesbibliothek für "Personen der Weltgeschichte für Dummies" © NÖLB


Dummies – gemeint sind keine Dummköpfe, sondern Menschen ohne Vorwissen in einem bestimmten Sachgebiet. Für diese Menschen ist die Serie „... für Dummies“ (bzw. englisch „... for dummies“) gedacht, die vom renommierten Verlag Wiley-VCH (in Amerika von John Wiley & Sons) herausgegeben wird und sehr gute Einführungen zu sehr vielen Wissensgebieten beinhaltet, den Anfang machte „DOS für Dummies“ (1991). Gerade in jüngster Zeit wurden zahlreiche E-Books aus dieser Serie angeschafft, die auf der Plattform noe-book.at zur Verfügung stehen und das dortige Angebot an guten Sachbüchern ergänzen; natürlich sind sie auch über unseren Bibliothekskatalog erreichbar. Viel Spaß beim Stöbern und informative Lektüren!

Kolorierte Umrissradierung, Beschriftet: Ansicht der Stadt von der Bastion naechst der Kapuziner Kirche
Kolorierte Umrissradierung, 72 x 172 mm (Blatt 80 x 172 mm). Beschriftet: Ansicht der Stadt von der Bastion naechst der Kapuziner Kirche; NÖLB, Topographische Sammlung, Inventar-Nummer 8.204]© NÖLB

In diesem anonym überlieferten Bild wird Wiener Neustadts Profil primär durch Sakralbauten repräsentiert. Auf dem kleinformatigen und dennoch detailverliebten Blatt erkennt man links den Dom, im Hintergrund die Karmeliterkirche, weiter rechts die Kapuzinerkirche und rechts außen die Burg. Auch die einst gewaltige Stadtmauer kommt hier, neben den einzigartigen Kasematten des 16. Jahrhunderts, zur Geltung.

Zurück zur Kapuzinerkirche. Dieses aus dem 14. Jahrhundert stammende Gotteshaus geht auf die Minoriten zurück; während der Konsolidierung der heimischen Klosterlandschaft in nachreformatorischer Zeit wurde der Baukomplex den Kapuzinern übergeben. Gewiss ist nur ein Torso der gotischen Kirche auf uns gekommen; dieser dominiert jedoch die Ansicht unangefochten.

Unübersehbar ist weiters des Künstlers Spiel mit „Vanitas”-Symbolik: mittelalterliche und für mittelalterlich gehaltene Bausubstanz vermochte seit den 1790er-Jahren, die Fantasie aller Interessierten zu beleben und latent vorhanden gewesene Begeisterung für die „Ritterzeit” anzufachen.

Schließlich bezeugt diese Radierung die während des 19. Jahrhunderts begonnene (wie auch vollendete) Suche nach neuen ikonischen Repräsentanten der Stadt, welche den mit seinen unverkennbaren Türmen ausgestatteten Dom entweder in den Hintergrund drängen oder vollends entbehren konnten.

Zugleich fungiert dieser Anonymus als Titelbild der von 17. April bis 7. Juni 2019 in der NÖ Landesbibliothek gezeigten Ausstellung “Wiener Neustadt in alten Ansichten”. Für diese wurden aus dem reichen Fundus der Topographischen Sammlung achtzig aus der Zeit vom mittleren 17. bis zum frühen 20. Jahrhundert datierende Ansichten ausgewählt und einander unter bestimmten Auspizien gegenübergestellt:

  • Gesamtansichten im Lauf der Zeit
  • Sakralbauten
  • Burg
  • Tore, Türme, Wegzeichen
  • Plätze, Straßen, Höfe

Georg Christoph Eimmart d.J., Zisterzienserabtei Zwettl, ca. 1670

Kolorierter Kupferstich, Beschriftet "Closter Zwetl"
Kolorierter Kupferstich, 12,9 x 35,5 cm (Blatt 13,0 x 35,6 cm, beschnitten). Beschriftet Closter Zwetl. Bezeichnet: G. C. Eimart fecit. [NÖ Landesbibliothek, Topografische Sammlung, Inventarnummer 9.257]© NÖLB


Diese Ansicht ist Teil eines größeren Ganzen, nämlich einer das gesamte Abteigebiet zeigenden Karte. Sie weist auf den Gründungsvorgang zurück und thematisiert den „Umritt“ des Klosterterritoriums, wie er schon im „Liber fundatorum“, der berühmten „Bärenhaut“ des frühen 14. Jahrhunderts, dargestellt worden war. Die Karte soll hier nur aus dem Grund erwähnt werden, weil der gesamte Kupferstich Ausdruck aktueller Selbstvergewisserung Zwettls im späten 17. Jahrhundert war: als nämlich das Ordenshaus unter Abt Johann VIII. Bernhard Linck (reg. 1646-1671) eine Phase der Konsolidierung erleben durfte – eine übrigens auch in forcierte historiografische Bemühungen mündende Phase. 

Eimmarts Profilansicht thematisiert das gesamte Klosterareal und hält erläuternde Legenden zu einzelnen Teilen des Komplexes parat. Die in den 1130er-Jahren von den Kuenringern gegründete Zisterze zeigt sich hier in ihrem mittelalterlich-frühbarocken Erscheinungsbild, als „Civitas dei“ ebenso wie als Sitz einer Grundherrschaft. Vom Spitalsbereich links, dessen romanische Kirche mit drei markanten Fenstern betont wird, bis hin zu Necessarium und Abteikirche rechts erstreckt sich der ganze spirituell-ökonomische Kosmos des Klosters, wie er sich architektonisch seit den Gründungsjahren niedergeschlagen hat. 

Interessanterweise wurde keine Vogelschau gewählt; das mag daran liegen, dass im Rahmen des gesamten, die erwähnte Karte enthaltenden Kupferstichs wenig Platz für eine „raumgreifende“ Ansicht zur Verfügung stand, kann aber auch andere Gründe haben: Bereits eine der ersten, etwa 1638 entstandenen Aufnahmen dieses Ordenshauses hatte sich als Profilansicht präsentiert; eine – wenn auch schmale – einschlägige Abbildungstradition ist daher in Rechnung zu stellen. Wie auch immer: Eimmarts Bild ist eine in jeder Hinsicht wertvolle Quelle für das Erscheinungsbild dieses Klosters, aber auch für die Art, wie es damals wahrgenommen werden sollte. 

Georg Christoph Eimmart d.J. (1638-1705) war Zeichner und Kupferstecher, Mathematiker und Astronom. Der gebürtige Regensburger entwickelte sich zu einem gefragten Illustrator für unterschiedlichste Publikationen: Bibel, Kalender, Landkarten. Diese vielseitig begabte Persönlichkeit starb in Nürnberg.

Kugelspiel Schiner 3D
© NÖ Landesbibliothek


Aus dem Vorlass von Altlandeshauptmann Dr. Erwin Pröll stammt ein Objekt, das den üblichen Rahmen von Bibliotheks-Sammelobjekten sprengt. Oberflächlich betrachtet, handelt es sich um ein Geduldspiel in Form eines einfachen Kugelspiels. Man könnte den Gegenstand als dreidimensionale Form in Gestalt einer schneckenförmig gewundenen, über Schlitzung einsehbaren Kugelbahn beschreiben  - ein Bild sagt allerdings mehr als tausend Worte.  

Der Durchmesser des runden Gegenstandes beträgt 8 cm; das Objekt besteht aus Gips-Polymer mit einer Halterung aus Schaumstoff in einem Plastikkoffer mit den Maßen 23 x 19 cm. Als Hersteller firmiert das 2015 in Krems gegründete Unternehmen Schiner 3D Repro GmbH; 2015 ist offenbar auch das Datum der Herstellung und der Überreichung an Dr. Erwin Pröll.  

Nach dem Motto “mit RDA kann man alles katalogisieren” bildete das Objekt zunächst eine entsprechende Fingerübung für Bibliothekare. Entscheidender war aber die Frage nach dem Sinn der Aufbewahrung eines solchen Sammelstücks in einer Bibliothek. Es ist durchaus üblich, neben Werken und deren Veröffentlichungen auch einzelne Beispiele für bestimmte Herstellungstechniken zu sammeln – von besonderen Einbänden bis zu Drucktechniken oder fotografischen Techniken.  Aus diesem Blickwinkel bekommt das im 3D-Druck hergestellte Objekt, das ja auch eher als Anschauungs-Beispiel (Werbemittel bzw. Produktprobe) für dieses Herstellungsverfahren als  für die tatsächliche Verwendung als Spielzeug gedacht war, einen besonderen Stellenwert: Seien Sie Zeitzeuge eines Beispiels für 3D-Druck aus dem Niederösterreich des frühen 21. Jahrhunderts – in hundert Jahren vielleicht ein Stück mit Seltenheitswert wie schon heute die Daguerrotypie oder die Schellackplatte.

Bild von St. Pölten
Aquarell, 35,0 x 52,2 cm.
Beschriftet/bezeichnet [Etikett, aufgeklebt auf Rahmenrückseite (abgenommen)]:
Ansicht [...] Pölten [...] Umgegend, gemalt [...]
Jos. Schindler, geb. zu St. Pölten 1777 gest. zu Wien 1836. [NÖ Landesbibliothek, Topographische Sammlung, Inventarnummer 27.900]© NÖLB


An Viehofen vorbei blickt man aus nördlicher Richtung gegen St. Pölten. Die Stadt verschwimmt geradezu im Dunst; die Landschaft erscheint kartenartig vor dem betrachtenden Auge ausgebreitet. Die Vordergrundbühne erinnert an barocke Stiche á la Merian; sie dient dazu, eine unvergleichliche Tiefenwirkung zu erzielen. 

Das mag ungewöhnlich anmuten, kennt man doch aus dem Biedermeier eher verträumte Ruinenbilder oder romantische Donaulandschaften. Allerdings waren großzügige Ausblicke auf Städte, aus einiger Entfernung unternommen, auch damals keine Seltenheit. 

So gesehen, fügt sich Schindlers Aquarell sehr gut in eine bis zum 16. Jahrhundert zurückreichende Abbildungstradition ein, welche ästhetisch gestaltete Landschaftsaufnahme mit getreuer Wiedergabe bestimmter Örtlichkeiten zu kombinieren wusste. 

Johann Josef Schindler (1777-1836), war Mitglied der Wiener Kunstakademie, aber gebürtiger St. Pöltner. Neben seinem pädagogischen Beruf arbeitete er als Genre- bzw. Landschaftsmaler für Wiener Verleger. Etliche seiner Aquarelle bilden einen kostbaren Bestand der NÖ Landesbibliothek.


Tarock-Karten
Tier-Tarock von Johann Aulich, Wiener Neustadt, um 1810
Holzschnitt, schablonenkoloriert, Rückseiten von Stiftformen abgedruckt
Erhalten: 38 von ursprünglich 78 Karten
[NÖ Landesbibliothek, AV VIII 96]


Am 25. Juni 2019 hat die NÖ Landesbibliothek im Zuge einer Auktion vier Tarocke erworben, von denen vor allem jenes von Johann Aulich aus Wiener Neustadt von Bedeutung ist.

Von den ursprünglich vorhandenen 78 Karten sind 38 erhalten. Es handelt sich um ein frühes Tiertarock (Typ 4 nach Sigmar Radau) und zugleich um die Nachahmung eines entsprechenden Tarockes von Andreas Benedikt Göbl (1714-1786) aus München. Vom Herstellernamen und vom Austausch des bayerischen Wappens abgesehen, bestehen die augenfälligen Unterschiede im Doppelbild und im Austausch von drei Tierdarstellungen. Das Tarock wurde mittels Holzschnitt gedruckt und mittels Schablonen koloriert; die Rückseite ist von Stiftformen abgedruckt. Der Umstand, dass hier noch ein Tarock mit 78 Karten vorliegt (statt der heutigen 54 Karten, wie erstmals 1821 beschrieben), die Holzschnitttechnik und die weitgehend getreue Wiedergabe einer Vorlage aus dem 18. Jahrhundert sind als Archaismen zu deuten; Klaus Reisinger datiert dieses Tarock auf ca. 1810, womit es das älteste zumindest teilweise erhaltene Tarock aus dem heutigen Niederösterreich (d.h. ohne Wien) darstellt.

Johann Aulich wurde 1788 als Geselle in der Werkstatt seines Vaters Paul Aulich freigesprochen und führte den Betrieb von 1799 bis 1833; ihm folgte Johann Aulich jun. (1834-1843) und schließlich Aloys (Alois) Aulich (1843-1845), Vater des Franz Kammann, geb. Aulich (1854-1926), der von 1897-1913 als Bürgermeister von Wiener Neustadt fungierte.


Weiterführende Informationen:

Abbildungen des Tiertarocks von Johann Aulich 

Begleittext zum Tiertarock von Johann Aulich, verfasst von Hans-Joachim Alscher 

Abhandlung über Spielkarten aus: Darstellung des Fabriks- und Gewerbswesens im österreichischen Kaiserstaate / herausgegeben von Stephan Edlem von Keeß, 2. Teil, 1. Band (1820) 

Preiscourant von Andreas Benedikt Göbl aus: C. M. Plümicke‘s Briefe auf einer Reise durch Deutschland im Jahr 1791 zu Beförderung der National-Industrie und des Nahrungsstandes : vornehmlich in Beziehung auf Manufaktur-, Kunst- und Ökonomie-Gegenstände, 2. Teil (1793)

 

Gleichzeitig wurden erworben:

1) eine unvollständige Ausgabe des “Dreikaisertreffen-Tarocks” aus der Zeit um 1890 (Ferd. Piatnik & Söhne, Wien, Lithografie, schablonenkoloriert, Rückseiten: Walzendruck, erhalten: 22 (Tarocke) von ursprünglich 54 Karten) 
Abbildungen zum Dreikaisertreffen-Tarock


2) ein “Masken-Kostüm-Tarock” der Firma Josef Glanz, Wien, gestochen 1863 von Josef Sürch (1811-1877), zwischen 1900 und 1912 als Lithografie (Umdruck) mit Schablonenkolorierung, eingepassten Rückseiten (figürlich-florales Motiv) und Goldecken produziert, nebst Schuber
Abbildungen zum Masken-Kostüm-Tarock von Josef Glanz


3) ein “Piatnik-Jagdtarock” (4. Fassung) aus  der Zeit zwischen 1900 und 1920, ebenfalls Lithografie (Umdruck) nach Stich von Josef Sürch (1811-1877) von 1856, mit Schablonenkolorierung und Goldecken ausgestattet, Rückseiten mit Walzendruck, nebst Schuber 
Abbildungen zum Piatnik-Jagdtarock

Svjloss und Pfarrkirche Pottschach, 1877
Bleistiftzeichnung, 19,2 x 30,3 cm.
Beschriftet: Pottschach 10/7. 877. Bezeichnet: FKutschera
[NÖ Landesbibliothek, Topografische Sammlung, Inventarnummer 6.069]


Schloss Pottschach ist ein wenig bekanntes Baujuwel aus der Renaissance. Zusammen mit der Pfarrkirche St. Dionysius bildet es ein einzigartiges Architektur-Ensemble am Rand des lärmenden Ternitzer Industriegebiets. 

Das Besondere an diesem Blatt ist nicht so sehr seine Detailtreue, sondern sein „Reportage“-Charakter. Vor dem Schloss bestand nämlich einst ein Vorbau, der unter Fürstin Franziska von Liechtenstein (1813-1881) geschleift worden war. Besagten Vorbau, auf dem Stich des Georg Matthäus Vischer (1628-1696) geradezu bildbeherrschend verewigt, hat man erst kurz vor Kutscheras Aufenthalt demoliert; er ist etwa dort zu suchen, wo die beiden Staffagefiguren stehen. 

Das auf dem Bild als Nebenmotiv fungierende Gotteshaus gilt als bemerkenswerte Wehrkirche aus der Spätgotik. Das merkwürdige Äußere des wie durchlöchert wirkenden Baukörpers erklärt sich aus seiner Funktion als Wehrbau; mit diesem korrespondiert eine die Kirche umgebende Wehrmauer. Bis vor einem halben Jahrhundert hat ein hölzerner Wehrgang, bei Vischer noch gut sichtbar, den Kirchturm mit der Schlossmauer verbunden. 

Franz Kutschera (1807-1887), ein gebürtiger Wiener, wirkte als Lehrer in Perchtoldsdorf, wo er auch starb. Seine über 5.700 Blätter umfassende Sammlung von Ansichten niederösterreichischer Orte enthielt Originalblätter von Künstlern wie Thomas Ender (1793-1875), Johann Josef Schindler (1777-1836) und Josef Höger (1801-1877), aber auch von eigener Hand stammende Zeichnungen. Seine Kollektion, 1888 angekauft, bildete einen wichtigen Grundstock der Topografischen Sammlung der NÖ Landesbibliothek.

Schloss Rosenburg um 1750
Aquarell, 25,8 x 40,0 cm. Beschriftet [rev., aufgeklebt] (:Österreich.) Schloss Rosenburg am Kampflus. (:Gegenden um Wien.) [...]
[NÖ Landesbibliothek, Topografische Sammlung, Inventarnummer 6.456]


Dieses Aquarell diente als Vorlage für eine Serie von Umrissradierungen, die im späten 18. Jahrhundert veröffentlicht wurden. Die Rosenburg war seit der Barockzeit beliebt, erlebte jedoch als Bildmotiv einige Wandlungen. Fungierte sie im 17. Jahrhundert noch als akribisch via Kupferstich dokumentierter Herrschaftssitz, dessen neueste Erweiterungen penibel ausgewiesen wurden, zog um 1800 ihre landschaftliche Umgebung die Aufmerksamkeit der Künstler auf sich. 

Diese wurde von Franz Jaschke besonders liebevoll wiedergegeben. Auf seinem Bild ist eine Gruppe von Naturfreunden zu sehen, die sich am Anblick des malerisch dahinrauschenden Kamp erfreuen. Oberhalb dieses Trios – nicht zufällig – thront das Schloss; ansonsten deutet nur wenig auf menschliche Kultur hin. Die Natur bleibt fast ausschließlich sich selbst überlassen; die Rosenburg wiederum besitzt eine die Real-Existenz der Örtlichkeit legitimierende und Interessen der Ritterromantik inspirierende Funktion. 

Franz Jaschke (bzw. Jaschky, 1775-1842) stammte wohl aus Rosenthal/Różanka (PL). Wie viele Landschaftsmaler und Radierer seiner Zeit erhielt er seine Ausbildung an der Wiener Akademie, wirkte als Kammermaler von Erzherzögen und schuf zahlreiche Vorlagen für druckgrafische Ansichtenfolgen. Besagte Vorlagen – wie dieses Blatt – bestechen durch ihre detailreiche Ausarbeitung. Der Künstler, von dessen Hand in der NÖ Landesbibliothek etliche Originale aufbewahrt werden, ist in Wien gestorben.

weiterführende Links

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Tel: 02742/9005-12835
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Letzte Änderung dieser Seite: 1.10.2019
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