1886 wurde die erste Raiffeisenkasse Österreichs in Niederösterreich, in Mühldorf im Bezirk Krems, gegründet. Zum Festakt anlässlich des 140. Jubiläums trafen sich dort am heutigen Samstag Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Wirtschaft, Politik und den Blaulichtorganisationen, Mitarbeitende von Raiffeisen österreichweit sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger von Mühldorf und Umgebung.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betonte in ihrer Festrede: „Wir feiern heute weit mehr als das Jubiläum einer Bank. Wir feiern eine Idee, die Generationen getragen, Niederösterreich geprägt und bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat.“ Die Geschichte von Raiffeisen habe nicht in großen Städten, sondern in Dörfern, in Gemeinden, direkt bei den Menschen begonnen. „Bei Menschen, die wussten: Zusammenhalt schafft Chancen und Vertrauen schafft Zukunft.“ Der genossenschaftliche Gedanke „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele gemeinsam“ sei das Herz der Raiffeisen-Bewegung und zugleich ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Entwicklung des Landes gewesen.
„Generationen von Bäuerinnen und Bauern haben mit Unterstützung von Raiffeisen ihre Höfe aufgebaut, Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Ideen in Betriebe und Arbeitsplätze verwandelt und Familien sich den Traum vom Eigenheim erfüllt“, führte Mikl-Leitner aus. Raiffeisen habe dabei nie das schnelle Geschäft in den Mittelpunkt gestellt, sondern immer das gemeinsame Wohl, unterstrich sie.
Aus den kleinen Anfängen in Mühldorf sei in 140 Jahren Großes entstanden, hob die Landeshauptfrau die wirtschaftliche Bedeutung der Raiffeisen-Gruppe hervor. Mit 1,3 Millionen Kundinnen und Kunden, einem jährlichen Beitrag von drei Milliarden Euro zur österreichischen Wirtschaftsleistung und 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei Raiffeisen ein internationaler Player und zugleich ein starker Partner im Land.
Mit Blick auf die Zukunft sagte Mikl-Leitner: „Wohlstand, Arbeitsplätze und wirtschaftlicher Aufstieg sind keine Geschenke des Himmels, das wissen unsere Bäuerinnen und Bauern, Unternehmerinnen und Unternehmer und die Menschen, die täglich arbeiten und Verantwortung für die nächsten Generationen übernehmen.“ Deshalb müsse man an verschiedenen Stellschrauben drehen, um diese Menschen zu unterstützen.
Es brauche erstens weniger Bürokratie – weniger Vorschriften und Berichtspflichten und stattdessen mehr Freiraum für die eigentliche Arbeit. „Da braucht es jetzt Tempo: Weg mit der Zettelwirtschaft, hin zu mehr Landwirtschaft und unternehmerischer Freiheit“, betonte sie. Zweitens müsse man den Wandel aktiv gestalten, wie man es etwa in Leopoldsdorf mit der Ansiedlung von Stadler Rail nach der Schließung des AGRANA-Standortes gemacht habe. „Drittens braucht es Entlastungen für Landwirtschaft und Betriebe und nicht zusätzliche Belastungen und neue Eigentumssteuern“, so Mikl-Leitner. Sie sprach hier von Maßnahmen wie dem Agrardiesel oder der Lohnnebenkosten-Senkung, um die Konjunktur wieder in Schwung zu bringen, und betonte: „Das kann aber erst der Anfang gewesen sein.“
Bei all den nötigen Maßnahmen und Entwicklungen komme Raiffeisen eine große Bedeutung zu. Gerade in Zeiten großer Herausforderungen – vom Klimawandel über geopolitische Spannungen bis hin zur digitalen Transformation – brauche es den genossenschaftlichen Gedanken mehr denn je. „Gemeinschaft ist kein Auslaufmodell. Gemeinschaft ist Zukunft“, betonte sie. Wenn man weiterhin auf Zusammenhalt, Verantwortung und das Miteinander setze, könne vieles gelingen.
„140 Jahre Raiffeisen in Österreich – das sind 140 Jahre Verantwortung, die unsere Organisation übernommen hat. 140 Jahre Nähe zu den Menschen, gelebte Solidarität und wirtschaftliche Nachhaltigkeit, die wir in diesen Tagen besonders brauchen“, so Raiffeisenpräsident Erwin Hameseder in seiner Jubiläumsansprache. „Regionale Verankerung, Resilienz und Innovationskraft sind Stärken, die uns ausmachen und prägen“, führte er aus. Diese hätten dazu geführt, dass Raiffeisen heute nicht nur ein bedeutender Teil der österreichischen Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft sei. Der Präsident blickte auf die 140-jährige Geschichte zurück, „die nie eine Geschichte des Stillstands, sondern immer eine Geschichte des Wandels und der Antworten auf die Herausforderungen der jeweiligen Zeit war.“ Raiffeisen verbinde seit jeher wirtschaftliche Kompetenz mit regionaler, sozialer Verantwortung, erklärte er. „Wir sind modern und innovativ, ohne unsere Wurzeln zu vergessen.“
„Mühldorf ist die Wiege der Raiffeisenidee in Österreich“, sagte die Obfrau der Raiffeisenbank Krems, Doris Berger-Grabner, in ihrem Statement. Begonnen habe vor 140 Jahren alles mit der Frage: „Wer leiht uns Geld, wenn es sonst niemand tut?“. Die Antwort sei bis heute dieselbe: Raiffeisen. Allein im letzten Jahr habe man in der Region 211 Familien unterstützt, ihr Eigenheim zu finanzieren, sowie rund 200 Vereine und Projekte gefördert. Sie betonte auch: „Unsere wichtigste Stärke steht in keiner Bilanz – unsere Stärke sind die Menschen, die uns kennen und uns vertrauen.“
Roland Berger, der Bürgermeister von Mühldorf, dankte eingangs der Raiffeisenbank für die stets gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Anschließend blickte er in die Geschichte der Gemeinde und der Region zurück, „denn Mühldorf ist nicht nur bekannt für seine Raiffeisenbank.“ Er sprach unter anderem vom Grafitbergbau, der in der Gemeinde bis 1968 betrieben wurde, oder auch vom Spitzer Graben mit den steilsten Weinterrassen, an dessen Ende Mühldorf liege.
Unter den zahlreichen Fest- und Ehrengästen waren unter anderem Bundesministerin Klaudia Tanner, LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, die Landesräte Sven Hergovich und Eva Prischl, die Bezirkshauptleute aus Krems und Melk, Günter Stöger und Daniela Obleser, NÖ Militärkommandant Brigadier Georg Härtinger, Landesfeuerwehrkommandant-Stellvertreter Martin Boyer, NV-Generaldirektor Stefan Jauk, die Präsidentin der Bundesbäuerinnen Irene Neumann-Hartberger, Bauernbundpräsident Österreich Georg Strasser, der Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, Johannes Schmuckenschlager, sowie der Präsident des österreichischen Rübenbauernbundes Ernst Kapfinger.
Die Jubiläumsfeier startete mit einem Dankgottesdienst, zelebriert vom St. Pöltner Diözesanbischof Alois Schwarz und Ludwig Wenzel, Abt des Stiftes Melk. Für die musikalische Gestaltung zeichneten der Musikverein Mühldorf sowie die Militärmusik Niederösterreich verantwortlich.
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(v.l.n.r.) Martin Hauer, Generaldirektor Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Raiffeisenpräsident Erwin Hameseder, Bundesministerin Klaudia Tanner, Doris Berger-Grabner, Obfrau der Raiffeisenbank Krems, und Michael Höller, designierter CEO Raiffeisenbank International.

„Raiffeisen ist seit 140 Jahren internationaler Player und starker Partner für die Entwicklung Niederösterreichs“, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner in ihrer Festrede.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit dem Raiffeisen-Maskottchen „Sumsi“.
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