Man findet sie in Hadres, Raschala, Bogenneusiedl und in vielen anderen Weinbaugemeinden Niederösterreichs. Historische Presshäuser, die fachgerecht saniert wurden und nun wieder in neuem Glanz strahlen. Um besonders gelungene Beispiele vor den Vorhang zu holen, vergibt das Land Niederösterreich seit 2025 die Auszeichnung „Ich bin NÖ Baukulturerbe“. 19 Plaketten wurden im Rahmen eines Festakts im Himmelkeller von Kronberg verliehen. Der Sonderpreis der Jury ging nach Putzing an Josef Semrad.
„Mit der Auszeichnung holen wir besondere Projekte vor den Vorhang und sagen den Menschen, die sich dafür einsetzen, danke“, sagt LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf und weiter: „Dieses Engagement geschieht vielfach aus Liebe zum Land, aus Verbundenheit mit der eigenen Heimat und aus dem Wunsch, etwas Wertvolles an die nächste Generation weiterzugeben.“ Auch für die Wirtschaft sind die Kellergassen und ihr Charme unentbehrlich: „Weinbau ist in Niederösterreich tief verwurzelt und prägt seit Jahrhunderten die Kulturlandschaft und Tradition. Auf rund 27.000 Hektar werden Reben angebaut. Die 1.300 Kellergassen mit 37.000 Kellern sind damit nicht nur Arbeitsplätze für Winzerinnen und Winzer, sondern auch baukulturelle Zeugnisse unserer Heimat“, so Pernkopf.
Am Podium diskutierten Expertinnen und Experten des Fachbereichs für Baukultur, des Kellergassenmanagements der NÖ Dorf- & Stadterneuerung sowie der Abteilung Kunst und Kultur des Landes Niederösterreich und des Bundesdenkmalamts. Auch damit wurde sichtbar, welchen außerordentlichen und universellen Wert Niederösterreichs Kellergassen haben. Die über 120 Gäste im Himmelkeller von Kronberg bekamen dazu noch Einblicke aus erster Hand durch den Kellergassen-Bauberater Matthäus Barthofer. Musikalisch umrahmt hat den Abend das Duo Scheck, moderiert wurde von Kathrin Körber.
Wie man sein Presshaus fachgerecht saniert, das skizzierten die Bauberaterinnen und Bauberater des Landes Niederösterreichs: zu traditionellen Materialien greifen, so wenig Verblechungen wie möglich, Türen und Fenster aus Holz und aufs Dach kommen Tonziegel – am besten die Wiener Tasche. „Neben der schlichten Architektur sind es diese einfachen, natürlichen Materialien, die den Charme der Kellergassen ausmachen“, erklärte stellvertretend Matthäus Barthofer, einer von 15 Kellergassenbauberatern und Beraterinnen. Die prämierten Keller erfüllten diese Vorgaben und können ab sofort die verliehene Plakette an der Fassade anbringen. So wird für alle sichtbar, wie ein fachgerecht saniertes Presshaus aussieht – und dass auch diese einfachen Gebäude ein wichtiger Teil von Niederösterreichs Baukulturerbe sind.
Unter all den prämierten Kellern stach jener von Josef Semrad in der von Putzing hervor. Ziel der aufwändigen Sanierung war, das Objekt in seiner überlieferten originalen Form und dem ursprünglichen Charakter zu erhalten. Der Mauerbestand blieb bestehen, ebenso wie die historische Ausstattung der Gerätschaften. Genau dieses behutsame und durchdachte Vorgehen macht dieses Presshaus zu einem Vorzeigebeispiel für die Sanierung von Kellergassen in Niederösterreich.
Zum Schwerpunkt Kellergassen zählen neben der Auszeichnung auch eine Reihe an geförderten Leistungen für Kellerbesitzerinnen und Kellerbesitzer. So übernimmt das Land Niederösterreich einen Teil der Beratungs- und Sanierungskosten, wenn man sein historisches Presshaus fachgerecht saniert. Voraussetzung für die Sanierungsförderung ist aber eine Kellergassen-Schutzzone. Ob man sich in einer solchen befindet, erfährt man am jeweiligen Gemeindeamt.
Das Handbuch Kellergasse liefert in mehreren Kapiteln detaillierte Empfehlungen: vom richtigen Mischungsverhältnis des Kalkputzes bis zur Sanierung des Dachstuhls. Gemeinden mit historischer Kellergasse finden darin Informationen rund um die Themen Flächenwidmung, Bebauungsplan und Schutzzonen. Das Handbuch Kellergasse kann hier kostenlos bestellt werden: post.bd1-b@noel.gv.at
Details rund um das Thema Baukulturerbe online auf www.noe-baukulturerbe.at.
Infos zu den Kriterien und zur Einreichung der Plakette online auf www.kellergassenmanagement.at.
Der Schwerpunkt Kellergassen markiert erst den Anfang. Viele weitere sollen in den nächsten Jahren folgen: Lesehöfe, Vierkanter, Stadl oder Dörrhäuser. Einfache Gebäudetypen, die für Niederösterreich allesamt identitätsstiftend und deshalb so schützenswert sind. Sie alle können sich in Zukunft um die Auszeichnung „Ich bin NÖ Baukulturerbe“ bewerben.
Weitere Informationen: Dorf- und Stadterneuerung Die Gemeindeagentur, Stefan Kaiser, Mobil: 0676/83688569, E-Mail: stefan.kaiser@dorf-stadterneuerung.at
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